Wie ein Handschlag…

… was ist bloß aus mir geworden? Hat die Welt mich so verändert, habe ich mich Ihr angeglichen? Oder gehöre ich mittlerweile zu einer Art subkulturellem Geschwür auf dem Arsch der Gesellschaft ?

Keine Angst, das wird keine Lebensbeichte, vielleicht aber doch. Schauen wir einfach mal wohin uns das führt.

Ich bin mittlerweile 28 und nein, nicht zum fünften mal oder so. Ich bin wirklich 28. Und ich bin allein. Moment das trifft es nicht ganz. Allein zu sein bedeutet Single zu sein was ja an sich noch kein Problem darstellen würde.. Ich bin einsam. Genau, das trifft es. Freut Euch, ihr habt einen Menschen gefunden der einsam ist und dem es damit beschissen geht. Ergötzt Euch, holt Euch einen runter und partizipiert am leid eines anderen damit Euch Eure eigene Existenz nicht mehr allzu schlimm vorkommt.

Böse, böse.. ;0)

Nein, jetzt mal im Ernst, ich BIN einsam. Und ich habe die Fähigkeit verloren daran etwas zu ändern. Das ist das eigentlich schlimme. Ich habe nach jahrelangen Fehltritten mit Menschen die nicht meinem Ideal entsprachen (um ehrlich zu sein waren sie eigentlich immer weit unter meinem Ideal) erkannt was ich möchte. Aber durch das waten durch den Sumpf der schwulen Kultur habe ich nun so viel Schlamm an mir das ich mich nie wieder reinwaschen kann. Nie wieder werde ich jemandem sauber und rein gegenübertreten können. Nie wieder ohne Vorurteile auf jemanden zugehen können. Mich nie wieder fallen lassen aus Angst ich versinke im Schlamm.

Ich hab alles durch. Ich habe Pornostars gedatet in der Annahme ich würde das hinkriegen und hätte kein Problem damit. Ich habe Leute gedatet die in Ihrer eigenen kleinen Traumwelt lebten in der Hoffnung das die zu gestört wären um jemand anderes zu finden. Ich habe unsichere kleine Jungs gedatet in der Annahme es würde reichen das Sie mich haben und das Sie kein Interesse daran hätten zu experimentieren oder sich noch zusätzliche Bestätigung von außen zu holen. Ich habe affektierte Arschlöcher gedatet die sich für den Nabel der Welt hielten weil die einem alles direkt ins Gesicht sagen und man somit immer auf der sicheren Seite ist. Ich habe demonstrativ unangepasste gedatet weil ich dachte das Gegensätze sich anziehen. Ich habe bisexuelle gedatet für die diese ganze “Schwule Sache” Neuland war in der Hoffnung das diese von der Szene und allem negativen was darin schwimmt bisher verschohnt geblieben wären. Zur Hölle, ich hab sogar ziemlich hässliche Furunkel gedatet nur um festzustellen das es genau so Arschlöcher sind wie die oben genannten Typen, nur halt die hässliche Ausführung.

Eigentlich habe ich alles durch. Und das ist das schlimme. Ich habe aus jeder dieser Beziehungen immer ein kleines Stück Verletzung, immer ein kleines Stück Selbstschutzmaßnahme, immer ein kleines Stück Paranoia und immer ein kleines Stück Zweifel mehr mitgenommen.

Und jetzt bin ich einer von Ihnen. Ich bin einer von den “Ich lasse Dich nicht an mich ran und denke das Du eh ein Arschloch bist und fremdgehst und überhaupt” – Mutanten.

Ich bin ein Freak. Und ich weiß es. Und ich bin gelangweilt.

Ich bin gelangweilt von Sex, davon hatte ich zuviel. Und es ist nicht das was ich will. Jedes mal danach habe ich ein schlechtes Gefühl und will den Typen loswerden um ihn danach nie wieder sehen zu müssen weil ich von mir selbst enttäuscht bin. Komischerweise kommen diese Gefühle immer erst hinterher. Nie praktikabel bevor ich mich auf den Typen stürze und ihm mit den Zähnen die Jeans in Fetzen lege.

Ich bin gelangweilt von Dates, davon hatte ich auch zuviel. Ich bin gelangweilt davon Interessen abzugleichen. Darüber zu diskutieren auf welche Art von Musik man steht und was man für Hobbys hat und welche Rolle man beim Sex übernimmt. Ich denke immer schon in den ersten 20 Minuten eines Dates daran laut zu schreien oder wegzurennen oder mir beide Kniescheiben mit einer Schrotflinte wegzuschiessen.

Und dann gibt es doch noch diese eine spezielle Art Mann. Die Art die einen direkt “sieht”. Die meinen Kopf in beide Hände nimmt und mir sagt das ich ein Freak bin, das aber alles gut wird. Die Art bei der man sich nicht verstellen muss weil Sie nicht direkt bei einem kleinen Stein der im Weg liegt sagen “Das ist mir zu anstrengend”. Die Art mit der man keinen Sex hat sondern mit denen man schläft. Die Art die nicht so Austauschbar sind wie ein Handschlag. Die Art die nicht in eine Form gepresst werden kann.

Und die Art von Mann sagt mir dann immer direkt beim kennen lernen das ich zu realistisch, gefestigt, einschüchternd, witzig, neurotisch, nett oder was auch immer gerade die Ausrede der Woche ist und das es eh nicht funktionieren würde.

Ich habe seit 10 Wochen kein Date und keinen Sex mehr gehabt. Meine Einstellung hat sich geändert. Mal sehen wie lange es hält. Aber ich werde trotzdem nicht aufhören mir die Haare zu färben, ins Fitness zu rennen wie ein Geistesgestörter oder mir die Zähne zu bleichen. Vielleicht wenn man nicht damit rechnet… Und dann will ich gut aussehen ;0)

Euer…

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